Der Herr der K-Fragen

Kina, Kalauer, Kreuzworträtsel -
und was sonst noch alles in ein Grobesches Großhirn passt

Von Brigitte Kols
Er geht, der Vorhang fällt und alle K-Fragen von Marx bis Mao, sie bleiben künftig offen? Literaturpäpste mögen entbehrlich sein. Kuddel, der K-Papst, ist es nicht. Unnötig zu sagen, dass die K-Fragen, in denen er Meister aller Kompetenzen ist, die Niederungen der gegenwärtig in diesem, unserem Lande diskutierten nicht einmal streifen. Das Abenteuer Außenpolitik ohne Karl Grobe, das wäre so, als ließe man nachfolgende FR-Generationen ratlos zurück an einem mit einem Schlag zur Pfütze geschrumpften Aralsee. Nämliches gilt für das Abenteuer Geschichte - und zwar jene mit wie jene ohne K. Natürlich kann man einen Grobe nicht bitten, beim FR-Abschied die "Festplatte" mit all den Informationen aus einem reichhaltigen Journalistenleben zur allfälligen Bedienung im FR-Archiv abzuliefern. Dies scheitert schon daran, dass es sich beim Grobeschen Archiv um eines handelt, das sich bestens sortiert in seinem dieserhalb etwas quadratischen Kopf befindet. Zudem: Wo nehmen wir in Spar-Zeiten (mindestens) drei neue Archivare her?

Gehen wir sie also buchstäblich im Groben durch: die K-Fragen, die sich mit gro schier unauflöslich verbinden, große politische wie kleine allzu menschliche, und die allesamt ein Berufsleben lang seinen "Mehrwert" für die FR ausmachten:

K wie Kommentar: Das Pauschal-Urteil beim Streifzug durchs schreiberische Werk aus 33 FR-Jahren: Quantität beeindruckend, Qualität bestechend. Doch da ist noch der dritte Faktor, der dem Leser verborgen bleibt, dafür die Kollegen ebenso verblüfft wie frustriert: die Geschwindigkeit, mit der Grobe - persönliche Rekorde immer wieder brechend - aufschreibt, was Sache und die Meinung dazu ist. In K-Fällen besonders. Ich sage nur Kina, Kina. Kunststück, hat er doch über die Außenpolitik des Riesenreichs (spät1980 und verspätet beim Rigorosum wg. Schneetreibens) promoviert. Der Zeitfaktor (siehe oben) ist für diesen Kopf-Artisten ja kein Thema. Und da er zu Kina wie zu den einstigen Sowjetrepubliken mehr zu sagen hat, als die FR je drucken könnte, weicht er (zur Not in der Mittagspause) auf jene beschreibbare Fläche aus, die ihm zwischen zwei Buchdeckeln geboten wird.

Unvergessen auch, wie er aus Anlass der so genannten islamischen Revolution in Iran die Ayatollahs der Reihe nach durchdeklinierte, als sagte unsereiner das Abc auf. Von aktuell-journalistischem Nährwert auch die intimen Kenntnisse über K wie Kandahar, wo sich der Talib bevorzugt verbirgt - zumal seitdem auch US-Präsident George Bush angeblich weiß, wo das liegt.

K wie Kommunismus, dazu Trotzkismus und alles, was sich Sozialismus nennt (nannte), sowie das unvermeidliche Pendant Kapitalismus. Zweifellos eine Spezialität dieses systemkritischen Autors, dessen diesbezügliches Wissen - auch nach dem Untergang real existierender staatlicher Ausformungen des einen und dem Sieg des anderen - nichts an Stellenwert einbüßte. Biografie prägt; im Fall Grobe die des Vaters mit demselben Vornamen. Der war Arbeiter und Betriebsrat bei Borgward und aktiv in der Sozialistischen Arbeiterpartei. Der Sohn, den es zum Journalismus zog, folgte (biografischer Zu-, aber auch Glücksfall?) schnurstracks Herbert Wehner - natürlich nur an der Schreibmaschine des Außenpolitikers bei Hamburger Echo wie Vorwärts. Über des bissigen Pfeifenrauchers dortiges Wirken wusste er neugierigen Kollegen manche kostbare Insider-Information zu liefern.

K wie Kreuzworträtsel: Kenner wissen, warum dieser unvermutete Sprung ins leichte Genre im Fall Grobe das Fundament legt für die oben gepriesene Geschwindigkeit im komplizierten Arbeitsprozess des Leitartiklers. Selten nämlich schreitet er zur schreiberischen Tat, ohne sich zuvor mit diesem, seinem ganz persönlichen Gehirn-Jogging warmzulaufen. Was immer man über dieses Fußballfans (natürlich Werder Bremen!) aktive Sportsqualitäten sagen mag, einen sportlichen Kopf hat er. Und in ihm ist auch noch Platz für jedweden Blödsinn, selbst da, wo Sportler wie Leitartikler oft nur verbiestert reagieren. Womit wir bei

K wie Ka(r)lauer wären. Denn auch in diesem Metier ist er König. Und wer über Witze zwar lachen, sie sich aber keinesfalls merken kann, steht auf verlorenem Posten, auch nur einen seiner Volltreffer spontan aufzuschreiben. Dass der Drang zum Wortwitz angeboren ist, beweisen die Ironie-Kleckse, mit denen er geradezu zwanghaft Agentur-Meldungen versieht, bevor er sie an Kollegen weiterreicht, auf dass deren Zwerchfell just da in Schwingungen gerät, wo journalistisch betrachtet der "furchtbare Ernst" angesagt ist. "Furchtbare Journalisten" mag so einer, das zeigt sich hier beiläufig, so wenig wie "furchtbare Richter". Allerdings kann er andere auch das Fürchten lehren, aber das Wort dafür fängt nicht mit K an und gehört (heute) nicht hierher.

K wie Kommunalpolitik sparen wir hier aus, denn da gehtís um Dietzenbach, und das ist im Kleinen, grob gesagt, so wie die Welt im Großen, sagt Karl.

K wie Kochen kann Karl auch. Etwa kinesischen Fisch am Stück mit Ingwer.

K wie Kinder hat er drei. Die Kleinen ließ er seinen Geschichten lauschen; bis Sohn Hein sich mit der vom "Bananenbieger" kongenial revanchierte.

Über fünf K und zehn Gurus hat er, der selbst vielen als Guru gilt, allen K-Moden vorauseilend, 1982 am Beispiel der indischen Sikhs geschrieben. Das gibt für Eingeweihte einiges dazu her, was Kuddel schätzt oder verabscheut. Zu Ersterem zählt Kesh wie langes Haar. Zu Letzterem sicher Kangha wie Kamm und Kirpan wie stählerner Dolch. Streitfälle sind dagegen Kuchha wie kurze Hosen und Kara wie Metallspange. Für das geheime FR-Kastenwesen hat er jedenfalls nichts übrig. Oder etwa doch? Geduldig nämlich lehrte er jeden Volontär, dass er (und somit die FR) grundsätzlich alle Namen aus der Fremde anders buchstabiert als der Rest der deutschen Presse. Und was zählt der schon - etwas Kastenwesen muss sein - neben Grobe.