Carolus: Leser

Frankfurter Rundschau, 31. Juli 1987
Leser, sagt ein alter Journalistenschnack, sind dumm und frech: dumm, weil sie glauben, was in der Zeitung steht, und frech, weil sie sofort meckern, wenn das Blatt nicht frühmorgens im Briefkasten steckt. Einige sollen es sich sogar angewöhnt haben, ihrer Zeitung Briefe zu schreiben. Und sie wollen dann auch noch Antwort haben. Nun denn.

NB. in Santiago. Seien Sie unbesorgt; Ihr Kanzler hat ein Machtwort gesprochen und steht voll hinter Ihnen.

FZ. in Bonn. Seien Sie unbesorgt; Ihr Kanzler hat ein Machtwort gesprochen und steht voll hinter Ihnen.

FJS. in München. Seien Sie unbesorgt; Ihr Kanzler hat ein Machtwort gesprochen und steht voll hinter Ihnen.

H.-D.G., nach Diktat verreist: Seien Sie unbesorgt; Ihr Kanzler hat ein Machtwort gesprochen und steht voll hinter Ihnen. Falls Sie übrigens nach Bagdad kommen, grüßen Sie Ali Baba und die vierzig anderen - die freuen sich heutzutage über jeden. Bringen Sie bitte eine Handvoll Datteln, eine Tasse Erdöl und ein paar Aufträge mit; wir können es brauchen.

Andrej G. in Moskau. Nein, Sie sollen mit den Tataren als alter Anti-Nikotiker nicht die Friedenspfeife rauchen; das sind ja keine Indianer. Schicken Sie sie nach Hause.

H.K, z.Z. in St Gilgen. Sie haben recht: Blüm hat recht. Zimmermann hat auch recht. Was, beide zugleich können doch nicht recht haben? Da haben Sie auch wieder recht. Bleiben Sie ganz ruhig. Aber wirklich ruhig.

A.P in Santiago. Nein. In einer Demokratie darf man nicht verhaften, wen man will. Da müssen Sie etwas mißverstanden haben.

R.R. in Washington. Tut mir leid, Sie sind noch nicht auf dem North Pole (Nordpol), Sie müssen noch weiter da durch. Abschminken gibt es erst nächstes Jahr. Dann aber dann, wenn ich bitten darf.